Alkoholkonsum an öffentlichen Plätzen

In den vergangenen Jahren ist in vielen Städten zunehmend zu beobachten, dass sich Menschen an öffentlichen Plätzen treffen und außerhalb der üblichen Konventionen mitgebrachten Alkohol konsumieren. Je nach Lage des Platzes, Ausmaß der damit ggf. einhergehenden Störungen sowie nicht zuletzt der Toleranz der Anlieger kommt es zu Beschwerden. Ob und in welchem Umfang eine Störung vorliegt, wird dabei subjektiv sehr unterschiedlich wahrgenommen.

Alkoholverbote im öffentlichen Raum sind nur in wenigen Fällen, z. B. auf Spielplätzen oder in deren direktem Umfeld, durchzusetzen. Die Motivation der Menschen, sich auf öffentlichen Plätzen zu treffen, ist nach unserer Erkenntnis unterschiedlich. Neben dem grundlegenden menschlichen Bedürfnis nach Kommunikation und Austausch ist jedoch häufig zu beobachten, dass die als störend empfundenen Personen zumeist über viel Tagesfreizeit durch Arbeitslosigkeit oder Rente verfügen, oder dass eine Tagesstruktur durch persönliche Verpflichtungen nur eingeschränkt oder gar nicht vorhanden ist. Hinzu kommen oft persönliche, soziale oder gesundheitliche Schwierigkeiten. Als häufig zu nennen wären:

  • Suchtmittelerkrankungen oder Gefährdung
  • Einkommensarmut
  • Fehlendes soziales Netzwerk
  • Psychische Beeinträchtigungen

Die Problematik des Alkoholkonsums auf öffentlichen Plätzen ist eine Situation, die sicher nicht allein ordnungsrechtlich gelöst werden kann und für die vielmehr situationsgerechte Lösungswege auf einer breiten gesellschaftlichen, sozialen und politischen Ebene gefunden werden sollten.

„Dabei muss es den Akteuren vor Ort in ihrem demokratischen Gemeinwesen gelingen, viele widerstrebende, aber gleichsam berechtigte Lebensinteressen in einen Austausch auf der Grundlage von Akzeptanz und Toleranz zu bringen. Häufig ist dies vor allem dann nicht einfach, wenn gesellschaftliche Probleme und Missstände sichtbar werden.“ (Joschonek, Terner: Projekt Schünemannplatz – Evaluationsbericht, Hannover, 2009

Seit 2005 hat das Karl-Lemmermann-Haus an verschiedenen Orten der Landeshauptstadt Hannover, der jeweiligen Situation angepasst, sehr unterschiedliche Projekte zur Vermeidung von Störungen und einvernehmlichen Nutzung öffentlicher Plätze durchgeführt, die wir auf den nebenstehenden Seiten vorstellen.